
Kleine Hotels: woran man die Menschen dahinter erkennt
Kleine Hotels interessieren uns besonders, wenn man die Menschen dahinter im Haus wiedererkennt: in der Küche, in der Einrichtung oder in ihren Empfehlungen.
Größe allein macht ein Hotel nicht persönlich, und unsere Auswahl enthält auch größere Häuser, vom Forsthofgut in Leogang bis zum Maryhill Estate in Skåne. Kleine Hotels interessieren uns besonders, wenn man die Menschen dahinter im Haus wiedererkennt: in der Küche, in der Einrichtung oder in ihren Empfehlungen. Woran genau, zeigen die folgenden Beispiele.



In Sils Maria ist die Chesa Marchetta, ein altes Engadiner Haus, zu einem kleinen Hotel mit eigenem Restaurant und Bar geworden. Geführt wird es von Artfarm, dem Gastgewerbe-Unternehmen der Galerie Hauser & Wirth. Dicke Steinmauern und holzgetäfelte Räume geben den Maßstab vor, und der Abend spielt sich im Speisesaal ab statt in einer Hotellobby.
Bei manchen Häusern kennt man die Gastgeber mit Namen. Beim Tainaron Blue in der Mani kauften die Architekten Kostas Zouvelos und Kassiani Theodorakakou 1994 einen verfallenen Wehrturm, restaurierten ihn über rund fünf Jahre und empfingen 2015 die ersten Gäste. Es gibt vier Zimmer, und das kleine Restaurant kocht nur für Hotelgäste; wer abends am Tisch sitzt, wohnt auch im Turm.
Kleine Hotels lassen sich auch ganz buchen. The Brecon in Adelboden vermietet das ganze Haus an Gruppen, abends ist die Bar, das Living Room, der gemeinsame Raum. Das Manoir Laurette im Bordelais hat fünf Zimmer, die einzeln als Bed & Breakfast oder zusammen für bis zu zehn Erwachsene vergeben werden.




Im 1477 Reichhalter in Lana sind die gemeinsamen Räume der Kern. Café und Restaurant im Erdgeschoss stehen auch Gästen von außen offen; Frühstück und Abendessen gehören also nicht nur den Menschen in den acht Zimmern darüber. Die Zimmer haben unterschiedliche Grundrisse und sind nach Personen und früheren Nutzungen aus der Geschichte des Hauses benannt. Die Rezeption ist nicht immer besetzt, deshalb fragt das Haus nach der ungefähren Ankunftszeit; Check-in ist von 15 bis 19 Uhr.
Service ist in einem kleinen Hotel oft etwas, das abgesprochen wird, statt auf einer Liste zu stehen. In den Agrad Chalets in Aschau im Chiemgau führt die Familie Heinrichsberger bewusst kein Restaurant: Das Frühstück kommt ins Chalet oder in die Suite, abends gibt es eine kurze Karte mit bayerischer Brotzeit oder Fondue, und für alles andere empfiehlt das Team Restaurants in der Nähe. Auf Eumelia, einem Bio-Hof bei Gouves in Lakonien mit vier Gästehäusern, beginnen die Kochkurse im Gemüsegarten, und das Olivenöl des Hofs wird zwischen den Bäumen verkostet, von denen es stammt.
Ein großes Resort kann genauso gut geführt sein, und ein kleines kann enttäuschen. Wenn du aber wissen willst, wer kocht, wo du abends sitzt und wen du nach dem nächsten Tag fragen kannst, schau dir zuerst die Gastgeber an, die gemeinsamen Räume und das, was ein Haus persönlich für dich regelt, und erst dann die Größe.



