
Steiermark: Glashaus und Weinberg
Im Norden schlafen Gäste in Baumhäusern und frühstücken zwischen Zitronenbäumen. Im Süden liegt ein Weingut mit Wirtshaus an der Grenze. Zwei Häuser, zwei Steiermarks.
Die Steiermark ist zweigeteilt, und die Teilung verläuft nicht politisch, sondern kulinarisch. Im Norden Almen, Wild, Kürbiskernöl. Im Süden Reben, Sauvignon Blanc, Buschenschanken. Zwei Stunden Fahrt liegen dazwischen, und zwei Häuser, die jeweils ihre Hälfte auf den Punkt bringen.


Pogusch: das Wirtshaus, das ein Bauernhof wurde
Der Pogusch ist ein Pass bei Turnau, unter dem Hochschwab, und die Familie Reitbauer — die in Wien das Steirereck führt — hat hier oben ein Wirtshaus übernommen und daraus einen Ort gemacht, der schwer zu beschreiben ist. Man hält Schafe, Ziegen, Schweine und Hühner. Man baut in Glashäusern und Gärten über fünfhundert essbare Pflanzenarten an. Man kocht damit im Wirtshaus und in der Schankkuchl über offenem Feuer.
Und man schläft in Baumhäusern am Waldrand, in Vogelhäusern oder in Kabanen, die im Glashaus stehen — zwischen Zitronenbäumen, mit Glas über dem Kopf. Morgens geht man durch den Garten zum Frühstück. Der Betrieb ist nahezu energieautark, und man merkt es nicht, weil es nicht erklärt wird.
Der Pogusch ist kein Hotel und kein Restaurant. Er ist ein Hof, auf dem beides passiert.



Maitz: Wein, Wirtshaus, Weinhotel
Ratsch an der Weinstraße liegt so nah an Slowenien, dass die Grenze durch die Weinberge läuft. Hier hat Wolfgang Maitz ein Weingut, das zu den STK-Winzern gehört — den Steirischen Terroir- und Klassikweingütern, die den Sauvignon Blanc der Region auf ein Niveau gebracht haben, über das man in Sancerre nicht gern spricht.
Zum Weingut gehören ein Wirtshaus und ein Weinhotel: Zimmer mit Blick über die Reben, ein Ferienhaus am Schusterberg, und eine Küche, die zum Wein gehört und nicht umgekehrt. Man kommt zum Trinken und bleibt, weil man nicht mehr fahren kann — das ist der Zweck eines Weinhotels, und Maitz erfüllt ihn ohne Umschweife.
Praktisch
Von Graz eine Stunde in beide Richtungen; von Wien zwei. Nicht beides an einem Wochenende — wählt Norden oder Süden. Beste Zeit: September, zur Lese im Süden und zum ersten Frost am Pogusch. Das Wirtshaus Maitz hat Sonntag und Montag Ruhetag.


